Stadtrat: Mit Videoüberwachung werden in Winterthur keine Verbrechen aufgeklärt

Da die Beantwortung meines Vorstosses  GGR-Nr. 2012/059 Schriftliche Anfrage betreffend Nutzen von Videoüberwachung eher vage und oberflächlich ausgefallen war, hakte ich mit dem Vorstoss GGR-Nr. 2012/083  Schriftlichen Anfrage betreffend Nachfrage zum Nutzen von Videoüberwachung nochmals nach. Nun liegt auch diese Antwort vor, und die ist doch sehr bemerkenswert, wird sie doch da deutlich, wo die vorgängige Antwort noch unbefriedigend war.

Klares Fazit der Antwort des Stadtrats: Mit Videoüberwachung werden in Winterthur keine Verbrechen aufgeklärt. Praktisch alle Verzeigungen, nämlich bis zu fast vierhundert pro Jahr beziehen sich auf den relativ harmlosen Bagatellfall der falschen Abfallentsorgung. Bei einigen weiteren, wo noch immer keine Zahl vorliegt, geht es um Vandalismus.

Verbrechen wurden mit den Kameras noch nie aufgeklärt, und wenn, dann wäre es reiner Zufall. Es geht bei der Überwachung also vor allem um Ordnung und Reinlichkeit, nicht um die Sicherheit der Bevölkerung. Wer von Kameras Sicherheit erwartet, wird definitiv enttäuscht.

Interessant ist aber auch die Aussage, dass mit der Umstellung auf Unterflurcontainer die Zahl der Verzeigungen tendenziell abnimmt. Wenn also die Sammelstelle ein reinliches Erscheinungsbild präsentiert, überträgt sich das psychologisch auf die Kunden. Hier zeigt sich einmal mehr, dass mit baulichen und organisatorischen Massnahmen viel mehr erreicht werden kann, als mit Kontrolle und Repression.

Hier gibt die Stadt mit einer sauberen und reinlichen Umgebung ein gutes Vorbild, das offenbar angenommen wird. Gegen Vandalismus helfen Massnahmen wie stabile Einrichtungen, gute Beleuchtung, offene Gestaltung, schnelle Beseitungung von Vandalismusspuren, aber auch Freiräume wo z.B. gesprayt oder gelärmt werden darf. Dazu kommt, dass die meisten notorischen Problemfälle soziale Ursachen haben. Kein Mensch entscheidet sich bewusst freiwillig dafür, zum Aussenseiter oder Gesetzesbrecher zu werden, vielmehr geht dem ein oft langer Leidensweg voraus. Auch hier kann und muss man ansetzen, die Lebensumstände verbessern, Perspektiven schaffen. Überwachung und Repression ist keine nachhaltige Problemlösung. Die Piratenpartei Winterthur ist nach wie vor der Meinung, dass man von einem positiven Menschenbild ausgehen soll und in erster Linie den sanften Weg wählen muss.

Post By Marc Wäckerlin (137 Posts)

Gemeinderat der Piratenpartei in Winterthur seit 2010 Vorstand Piratenpartei Winterthur Vorstand Piratenpartei Zürich Präsident FreidenkerInnen Region Winterthur

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