2014-077 Keine Babyfenster in Winterthur!

20150225-babyfensterEine Gruppe von Gemeinderäten aus einem konservativ-christlichen Umfeld (EDU/EVP/SalZH/CVP) lancierte mit der Geschäftsnummer GGR-Nr. 2014/077 ein Postulat zur Einrichtung eines Babyfensters in Winterthur. Auf den ersten Blick könnte man meinen, ein Babyfenster rette ungewollte Babys vor der Kindstötung durch die Mutter. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein ganz anderes Bild, und hinter dem Vorstoss steht eine ganz andere Motivation.

Der Antiabtreibungsverein «Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind»

Hinter allen Babyfenstern in der Schweiz steht der von konservativ-christlichen Kreisen gegründete Anti-Abtreibungs-Verein «Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind», der diese finanziert. Auf dessen Homepage wird rasch klar, worum es diesem Verein bei seiner «Schwangerschaftsberatung» tatsächlich geht: Im Vordergrund steht die Verhinderung von Abtreibungen, und nicht das Wohl der Mutter oder des Kindes.

Gegen Würde und Selbstbestimmung der Frau

Das zeigte sich deutlich auch 2013/14 bei einer Kontroverse um Buswerbung in Bern, wo die «Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind» kritisiert wurde, weil sie auf ihrer Homepage «die Würde betroffener Frauen» verletze, mit Aussagen wie: «Eine Abtreibung führt dazu, dass die Frau, Mutter eines lebenden Kindes, zur Mutter eines getöteten Kindes wird.» Ausserdem lancierte die «Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind» 1998 eine Initiative zur Abschaffung der Fristenregelung bei Schwangerschaftsabbrüchen. Auch beim Vorstoss in Winterthur soll ausgerechnet dieser umstrittene und fundamentalistische Verein als Partner für eine Babyklappe geprüft werden.

Fehlende Wirksamkeit

Doch auch abgesehen von diesem sektiererischen Verein spricht vieles gegen Babyklappen. Babyklappen erfüllen auch ihr vorgebliches Ziel nicht, sie haben auf die Zahl der Kindstötungen keinen Einfluss. Vielmehr werden die Babyklappen wohl eher von Eltern benutzt, die ihr Kind ansonsten regulär zur Adoption freigegeben hätten.

Keine Hilfe und Missbrauchspotential

Hinzu kommt, dass die betroffenen Frauen mit niemandem Kontakt haben und ihnen daher auch nicht geholfen werden kann. Die Anonymität geht soweit, dass 2008 ein Baby vor einer defekten Babyklappe erfror, weil die Mutter es nicht korrekt deponieren konnte. Babyklappen können auch missbraucht werden, indem Angehörige Babys gegen den Willen der Mutter anonym dort entsorgen, beispielsweise bei Teenager-Schangerschaften in konservativen Kreisen.

Verstoss gegen die UNO Kinderrechtskonvention

In der Schweiz liegen die Babyklappen rechtlich in einer Grauzone – nur schon, weil die Mutter gegen die gesetzliche Meldepflicht für eine Geburt verstösst. Der gewichtigste Grund gegen Babyklappen aber ist, dass diese gegen die UNO Kinderrechtskonvention verstossen, denn jedes Kind hat ein Recht darauf, seine Herkunft zu erfahren. Eine Babyklappe nimmt dem Kind dieses Recht.

«Vertrauliche Geburt» als bessere Alternative

Dabei gibt es in der Schweiz die Möglichkeit der vertraulichen Geburt mit anschliessender Adoptionsfreigabe. Diese Möglichkeit ist völlig ausreichend und im Sinn sowohl des Kindes, wie auch der Mutter, denn dadurch reisst der Faden zwischen Mutter und Kind nie unwiderruflich ab. Unter anderem aus diesen Gründen empfahl auch der deutsche Ethikrat 2009, bestehende Babyklappen wieder aufzugeben.

Angesehen Organisationen bekämpfen Babyklappen

Kinder- und Frauenrechtsorganisation, die deutsche Polizei, der deutsch Ethikrat, sie alle lehnen Babyklappen ab. Hier ein paar Beispiele:

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Es ist zu hoffen, dass eine deutliche Mehrheit im Winterthurer Gemeinderat diese Bedenken teilt und sich gegen das Postulat 2014/077 entscheidet.

Quellen:

Post By Marc Wäckerlin (161 Posts)

Gemeinderat der Piratenpartei in Winterthur seit 2010 Vorstand Piratenpartei Winterthur Vorstand Piratenpartei Zürich Präsident FreidenkerInnen Region Winterthur

Website: → Marc Wäckerlin

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