2013-075 Verkehrstafeln – Schilderflut in Winterthur

Inhalt

10vor10: Strassenschilder als Unruhestifter

Markus Wenger reichte im Februar 2014 zusammen mit mir eine Interpellation ein, welche die Schilderflut auf den Strassen in Frage stellt.

Stellungnahme

Anders als vom Erstinterpellanten formuliert, geht es in dieser Frage nicht nur um Schilder, es sollten generell Signalisationen und auch Ampeln nach Möglichkeit reduziert werden. Alle Signale verursachen Kosten und können in ihrer Menge Autofahrer verwirren. Zudem sind auch Ampeln, Fussgängerstreifen, Verkehrsinseln, Kein-Vortrittsmarkierungen von Schildern begleitet. Es ist richtig, dass Signalisationen klar und deutlich sein müssen. Es stellt sich aber schon die Frage, ob wirklich jeder Laufmeter Strasse mit einer ganzen Menge an Signalen im Detail geregelt werden muss, denn es gibt ein Strassenverkehrsgesetz, welches ein Standardverhalten ohne Signalisation beschreibt. Man könnte viel öfter einfach die Grundregeln stehen lassen, insbesondere den guten alten Rechtsvortritt, anstatt immer mehr mit Ampeln zu regeln. Es gibt in der Stadt viel zu viele überflüssige Ampeln, und diese sind auch noch viel zu häufig in Betrieb. Dadurch steht man immer wieder Minutenlang vor leeren Kreuzungen, und das sowohl als Fussgänger, als Velofahrer, wie auch als Autofahrer. Ampeln sollten ausserhalb der Stossverkehrzeiten ausgeschaltet oder gleich ganz abgebaut werden. Ein Beispiel ist die neue Ampel beim Stadteingang Seen an der Tösstalstrasse. Hätte man hier alle Regeln abgebaut und es lediglich beim Rechtsvortritt belassen, so könnte der Buss vom Bahnhof Seen her jederzeit ohne Verzögerung Richtung Stadt abbiegen und niemand müsste vor einer leeren Kreuzung warten. Und wenn der Bus nach links über die Gegenfahrbahn abbiegen muss, so wird er erfahrungsgemäss sehr rasch von rücksichtsvollen Autofahren durchgelassen, wenn viel Verkehr herrscht. Solche Beispiele nutzloser Signalisierungen gibt es viele. Hier ist besonders tragisch, dass diese erst kürzlich unnötigerweise hinzu kam.

Neue Verkehrsinsel an der VogelsangstrasseEin weiteres Beispiel für eine unnötige Geldverschwendung ist die neue Fussgängerinsel in der Vogelsangstrasse (siehe Bild), die 175.000 Franken verschlungen hat. An dieser Stelle habe ich noch nie im Leben einen Fussgänger gesehen, nicht auf dem Trottoir, und schon gar nicht die Strasse überquerend. Angesichts der angespannten finanziellen Situation der Stadt sollte der Stadtrat besser priorisieren und auf unnötige Bauten verzichten. Wir Gemeinderäte sollten das im nächsten Budget mit entsprechenden Kürzungen im Strassenbau und -Unterhalt quittieren.

Der Stadtrat hält sich nicht mal an bindende Normen. In 30er-Zonen wären Fussgängerstreifen gemäss 741.213.3 Verordnung über die Tempo-30-Zonen und die Begegnungszonen weitgehend verboten. Eine Broschüre des BfU beschreibt die Ausnahmen. Trotzdem gibt es solche Fussgängerstreifen an Orten, wo sie sehr wahrscheinlich nicht erlaubt wären, z.B. weil der Warteraum auf einer Seite fehlt. Hier stellt sich die Frage, was solche illegalen Markierungen kosten, und ob sie bei der ersten Beschwerde wieder kostenpflichtig entfernt werden müssen.

Die Kosten sind ein erheblicher Faktor, verursachen sie doch einen jährlichen Aufwand von 200.000 bis 300.000 Franken nur für den Erhalt der bestehenden 11.300 Schilder und 1.900 Wegweiser an 6.700 Standorten. Eine Bereinigung des Schilderwaldes wäre dringend zu empfehlen. Hier sollte der Gemeinderat eine Budgetkürzung vornehmen mit dem Ziel, nicht zwingend notwendige Signale oder nicht mehr regelkonforme Schilder nicht auszutauschen, sondern wo immer möglich gleich ganz abzubauen.

Verkehrsschilder verhindern keine Unfälle und der Verkehr fliesst ohne eher noch besser. Die deutsche Gemeinde Bohmte hat sämtliche Verkehrsschilder abgeschafft und damit bewiesen, dass es auch ganz ohne Regulierungswahn geht. Der Erfinder von «Shared Space», wie die schilderfreien Verkehrszonen genannt werden, lässt sich zitieren mit: «Wenn man die Leute wie Idioten behandelt, werden sie sich auch so benehmen.» Genau das ist das Problem: Der Schilderwald ist nicht nur komplex und teuer, er verhindert auch, dass die Verkehrsteilnehmer selber denken. Weitere Beispiele gibt es im niederländischen Drachten und sogar auf der Kensington High Street in London. Ein sehr spektakuläres Beispiel stammt aus Addis Abeba.

Antrag

Ich nehme die Antwort des Stadtrats daher negativ zu Kenntnis genommen.

Post By Marc Wäckerlin (161 Posts)

Gemeinderat der Piratenpartei in Winterthur seit 2010 Vorstand Piratenpartei Winterthur Vorstand Piratenpartei Zürich Präsident FreidenkerInnen Region Winterthur

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