2012-018 Umteilung aus auswärtigen Sonderschulen in die ISR

Die Stadt Winterthur platziert schon länger schwierige Schüler in umliegenden Gemeinden und stellt selbst keine ausreichende Betreuung bereit. Nun sollen diese Schüler vermehrt integriert werden. Dabei fallen im Sonderschulbereich trotz (oder wegen) der Integration exorbitante Kosten an. Während ein normaler Schüler um die 15.000 Fr. pro Jahr kostet, kostet ein hochbegabtes Kind in der Privatschule Talenta in Zürich 24.000 Fr., ein schwer verhaltensauffälliger Schüler 40.000 Fr. und ein schwer behindertes Kind 60.000 Fr.

Bedenklich ist, welch hohen Beträge zur Defizitförderung ausgegeben werden, während Begabungsförderung noch immer von den Eltern selbst bezahlt werden muss und in der öffentlichen Schule nur am Rande ein Thema ist. Es ist nicht mein Ziel, Kinder aus der öffentlichen Schule in Privatschulen zu bringen, sondern vielmehr die Begabtenförderung in die öffentlichen Schulen zu integrieren. Während es noch nachvollziehbar ist, dass Kinder mit Behinderungen mehr kosten und auch diese Kinder im Rahmen des Möglichen gefördert werden sollen, ist doch sehr fragwürdig, wieviel Geld für verhaltensauffällige Schüler ausgegeben wird. Vor allem aber ist die stetige Zunahme der Sonderschüler ein echtes Problem. In Winterthur erfolgt diese Zunahme gar überdurchschnittlich stark. Diesen Sachverhalt hinterfragte ich in der Interpellation mit der Geschäftsnummer 2012-018.

In seiner Interpellationsantwort gibt der Stadtrat diese Probleme offen zu, was sehr zu begrüssen ist. Leider fehlt in der Antwort die Lösung. Ich möchte den Stadtrat hiermit aufforden, nach Lösungen zu suchen und diese dem Gemeinderat zu unterbreiten. Der erste Schritt ist sicher der, dass das Problem erkannt wurde. In diesem Sinn kann ich auch die Interpellationsantwort positiv zu Kenntnis nehmen. Was noch fehlt ist eine klare Strategie für die Zukunft. Wir werden sehen, inwieweit die verschiedenen Ansätze, die bereits vorgenommen wurden, Früchte tragen werden. Namentlich erhoffe ich mir aus den Ansätzen in der Frühförderung einen Rückgang der Sonderschulmassnahmen. Aber das wird nicht reichen.

Bei der Antwort auf die Frage, wie man sparen kann, vermisse ich die Fantasie. Den Vergleich mit der Privatschule Talenta habe ich nicht eingebracht, weil ich die Privatisierung der Schule will, sondern weil der Stadtrat von dieser Schule sparen lernen kann. Aber auch sonst ist die Antwort nicht ganz befriedigend. Ja, einerseits kann man durch die richtige Zuteilung sparen. Hier kommt uns, wie so oft, die Bildungspolitik des Kantons in die Quere, der ISS-Zuteilungen bewilligen muss. Doch tatsächlich billiger wird es in der Gesamtrechnung für den Steuerzahler nicht, wenn der Kanton höhere Beiträge übernimmt. Das ist daher nur die halbe Wahrheit und nicht die Lösung. Weitergehend hätte man die Frage stellen können, wie man durch strukturelle Verbesserung sparen könnte. Das Modell der Kleinklassen sollte unbedingt weiterverfolgt werden, das ist ausdrücklich die Meinung der gesamten glp/PP-Fraktion. Kleinklassen sind wirksam und kosteneffizient, in vielen Fällen können sie eine gute Lösung sein, die der Stadtrat gut im Auge behalten soll. In jedem Fall aber müsste das Ziel sein, Kosten zu sparen, indem die Zahl der Sonderschüler gesenkt wird. Ich weiss, dass man da überall auf die Grenzen der übergeordneten Gesetzgebung stösst, doch diese Grenzen auszuloten hätte ich Rahmen dieser Interpellationsantwort erwartet. Meiner Meinung nach muss es starke Anstrengungen geben, weg von der Sonderschulung hin auf die Prävention zu wirken. Alle Kinder, bei denen nicht tatsächlich eine neurologische Störung vorliegt, müssten ohne spezielle Integration in der Regelschule unterrichtet werden können. Dieses Ziel sollte hartnäckig verfolgt werden. Zusätzliche Ressource für die Regelschulen, Schulsozialarbeit, Tagesschulen, sowie vorschulische Frühförderung sind gute Ansätze. Leider schätzt selbst der Stadtrat diese Massnahmen abschliessend als ungenügend ein. In diesem Sinne bin ich mit der Interpellationsantwort nicht zufrieden und hoffe, dass der Stadtrat die Anregung aufnimmt, diese Baustelle in Zukunft aktiv weiter zu bearbeiten.

In der Antwort auf Frage zwei gesteht der Stadtrat freimütig ein, dass die Zunahme an Sonderschulmassnahmen teilweise systembedingt ist. Das ist ein eigentlicher Skandal, da werden Kinder durch falsche Strukturen und falsche Anreize zu Sonderschülern gemacht. Hier sollte der Stadtrat unbedingt ansetzen, auch beim Kanton vorstellig werden. Das Schulsystem ist, nicht zuletzt durch eine verfehlte Politik aus der kantonalen Bildungsdirektion, extrem kompliziert und unübersichtlich. Zur ganzen Komplexität oben drauf kommen noch die vielen verschiedenen Formen der Sonderschulung, Integration und deren Finanzierung. Aber das System darf nicht so ausgelegt sein, dass die Frage der richtigen Schulung eines Kindes zu einer Frage der Finanzierung wird! Leider ist das nicht auf Ebene der Stadt zu lösen, aber die Stadt soll sich diesbezüglich auf kantonaler Ebene bemerkbar machen und die Probleme an die Öffentlichkeit tragen. Es wäre auch zu hoffen, dass unsere Medien da weiterbohren.

Das Problem ist erkannt, die Lösung ist in weiter Ferne, die glp/PP-Fraktion nimmt die Antwort daher mit grosser Unzufriedenheit zu Kenntnis. Wir können insofern zustimmen, als das Problem erkannt ist, erwarten aber weitere Massnahmen.

Post By Marc Wäckerlin (160 Posts)

Gemeinderat der Piratenpartei in Winterthur seit 2010 Vorstand Piratenpartei Winterthur Vorstand Piratenpartei Zürich Präsident FreidenkerInnen Region Winterthur

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