2011-014 Postulat betreffend mehr Chancengerechtigkeit im Bildungsbereich

Das Postulat mit der Geschäftsnummer 2011-014 hat Gemeinderat Oliver Seitz von der SP gemeinsam mit mir eingereicht, während er mich bei meinem Postulat 2011-013 Postulat Gymnasiumsaufnahmeprüfungsvorbereitung unterstützt hat. Bei beiden Vorstössen geht es darum, die schulischen Chancen von Kindern aus bildungsfernen Schichten zu fördern, da die Schule der Ort ist, wo soziale Schranken am leichtesten überwunden werden können. Jedes Kind sollte von Geburt an möglichst gleich gute Chancen erhalten, um mit seinen Fähigkeiten etwas aus seinem Leben zu machen.

Dabei geht es anders, als es der Stadtrat offenbar verstanden hat, nicht nur um Ausländer, sondern vor allem um den Bildungsstand der Eltern, allenfalls auch um kulturelle Hemmnisse. Nebst Deutschunterricht für fremdsprachige Eltern und Kinder sollte dieser Aspekt nicht weggelassen werden.

Im Projekt ChagALL sehe ich keine Lösung, diesen Ansatz habe ich mit Oliver Seitz im Vorfeld gründlich diskutiert. ChagALL bereitet einzelne Kinder, ausschliesslich solche mit Migrationshintergrund, auf eine Mittelschule vor, wir haben den Ansatz daher im Zusammenhang mit dem Postulat 2011-013 Gymnasiumsaufnahmeprüfungsvorbereitung diskutiert. Fakt ist, dass nur sehr wenige Kinder profitieren können, die Kosten pro Kind exorbitant hoch liegen und die Erfolgsrate enttäuschend ist. Ausserdem soll die öffentliche Schule ihre Verantwortung nicht an Private delegieren. Was es braucht sind vielmehr Lösungen, von denen möglichst viele, besser alle Kinder aus bildungsfernen Schichten profitieren können. Letztlich kann das nur mit einer umfassenden Stärkung der Regelschule und dem umgebenden Umfeld erreicht werden. Viel wird bereits unternommen, geht aber wohl zuwenig weit. Frühfürderung ist wichtig, ebenso interessant wäre ein Kindergarten mit 4 und familienexterne Kinderbetreuung für 0-3-Jährige. Je früher man die Kinder in eine gesellschaftliche Umgebung integriert, gerade bei fremdsprachigen Kindern, desto leichter werden sie es in der Schule haben.

Gibt man nicht allen Kindern möglichst gleiche Chancen, bleibt ein grosses Potential unausgeschöpft. Das ist in einem Land wie der Schweiz, dessen Hauptressource das Wissen ist, ein grosser Nachteil für die Gesellschaft. Wie man in den Statistiken sieht, gibt es nicht nur eine Diskriminierung zwischen Einheimischen und Migranten, respektive zwischen Akademikern und bildungsfernen Eltern, sondern auch zwischen den Geschlechtern. Chancengleichheit muss demnach sehr umfassend angegangen werden. Einiges wird getan, man schraubt hier und da. Es stellt sich aber immer die Frage, was langfristige Massnahmen bringen und wie man das Resultat messen kann.

Fazit des sehr langen Berichts: Es werden lang und breit mögliche Ursachen und Massnahmen erläutert. Es gibt Massnahmen, aber es ist fraglich, ob diese ausreichen. Daher möchte ich gern dem Stadtrat die folgende Aufgabe übertragen: Er wird eingeladen, getroffene Massnahmen zu überwachen, Mängel rechtzeitig korrigieren, wo nötig die Massnahmen auszubauen, das heisst Mittel auszuweisen und zu beantragen. Dabei soll er permanent die  Statistik im Auge behalten, denn nur da kann man auf Unterschiede aufmerksam werden. Ich bitte den Stadtrat, diese Aufgabe anzunehmen.

In diesem Sinne ist die Kenntnisnahme der glp/PP-Fraktion verhalten positiv und das Postulat kann als erledigt abgeschrieben werden.

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Gemeinderat der Piratenpartei in Winterthur seit 2010 Vorstand Piratenpartei Winterthur Vorstand Piratenpartei Zürich Präsident FreidenkerInnen Region Winterthur

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