2011-013 Postulat Gymnasiumsaufnahmeprüfungsvorbereitung

Mein bereits im Artikel Kanton kopiert Piraten-Vorstoss zu Gymnasiumsaufnahmeprüfungsvorbereitung vorgestelltes Postulat mit Geschäftsnummer 2011-013 wurde nun vom Stadtrat beantwortet. Hierzu die folgende Stellungnahme zu Handen der Gemeinderatssitzung:

Da es zu einem Missverständnis gekommen ist, beginne mit einer Klarstellung: Wenn Zentralschulpflege und Stadtrat «die Auffassung der Postulanten nicht teilen, dass die begabtesten Schüler der Klasse und ihre Eltern motiviert werden sollen, die Aufnahmeprüfung zu versuchen», dann stellen sie sich damit nicht nur gegen die Mehrheit des Gemeinderates, der dieses Postulat überwiesen hat, sie missverstehen vor allem auch die Intention dieser Aussage. Es geht nicht um die Akademisierung der Bevölkerung. Der Hintergrund der Aussage ist die Chancengleichheit zu verbessern, so sollen nicht nur die Kinder auf das Gymnasium aufmerksam werden, deren Eltern sich aktiv darum kümmern, sondern alle, die die entsprechende Fähigkeiten haben. Selbstverständlich gibt es in der Schweiz gerade auch in Kombination mit der Berufslehre viele gute Alternativen. Es geht nur darum, dass auch Kinder aus bildungsfernem Elternhaus motiviert werden sollen. Darum sollen die Eltern und Schüler aktiv über die Möglichkeiten informiert und wo sinnvoll motiviert werden. Ich nehme an, unter diesem Aspekt kann auch der Stadtrat und die Zentralschulpflege der Aussage zustimmen und die Vorbemerkung zurückziehen.

In der Antwort des Stadtrats kommt das Hauptproblem zur Sprache, welches ich gemeinsam mit dem zuständigen Vorsteher des Schuldepartements im Vorfeld aufgedeckt habe: Jeder Schulkreis kocht sein eigenes Süppchen. Was in den einen Schulen gut funktioniert, ist in anderen Schulen nur mangelhaft umgesetzt. Die Organisation und Zuständigkeiten der Schulen ist hoch komplex und hoch kompliziert. Da wäre es mehr als nur wünschenswert, wenn Zentralschulpflege und Stadtrat gemeinsam für stadtweite Qualitätsstandards sorgen würden. Nicht alle Eltern können sich fast tausend Franken leisten, um ihre Kinder in einen privaten Vorbereitungskurs zu schicken. Wegen der Heterogenität an den Schulen kommt man vielerorts im Stoff nicht weit genug: Schulen kommen wegen der Probleme nicht nach. Schüler der 6. Klasse haben teilweise Klammernauflösen, die einfachste Prüfungsaufgabe im Fach Mathematik, noch nie gesehen.

Den Grundsatz der Zentralschulpflege vom 27. Oktober 2009 lehne ich insofern ab, als es nicht das Ziel sein darf, dass sich die Schulkreise mit der Prüfungsvorbereitung profilieren. Innerhalb der Stadt soll die Qualität auf hohem Niveau einheitlich sein. Alle Schulkreise sollen darauf verpflichtet werden, gemeinsam miteinander für hohe Standards der Winterthurer Schulen zu sorgen. Schliesslich gibt es keine freie Schulwahl. Es sollen sich eben gerade nicht z.B. die Villenquartiere gegenüber den Arbeiterquartieren profilieren, sondern es sollen alle Kinder der Stadt profitieren. Mangelhafte Schulen sind auf Kurs zu bringen. Wenn die notwendige Haltung dazu an einer Schule fehlt, ist die Schulleitung zu ersetzen. In dem Punkt sollte die Zentralschulpflege ihr Leitbild dringend nochmals überarbeiten! Den Rest unterstütze ich, insbesondere den Ansatz, weitergehende Lern- und Arbeitstechniken zu vermitteln. Davon könnten nicht nur die Prüflinge profitieren, sondern alle Schüler, entsprechend gehört das auch in den allgemeinen Unterricht.

Zwar sieht das Volksschulgesetz vom 7. Februar 2005 eine individuelle Förderung vor. Leider beobachte ich immer wieder, dass sich individuelle Förderung mehr an Defiziten ausrichtet, statt auch an Begabungen. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Die Förderung von Begabungen ist ebenso wichtig, wie der Ausgleich von Defiziten. Leider kann man momentan in diesem Bereich seitens der Integrativen Förderung (IF) wohl kaum etwas erwarten.

Die Postulatsantwort ist leider bereits wieder veraltet. Es ist richtig, dass sich der Regierungsrat am 6. Juni 2012 aus Gründen der Chancengleichheit für eine möglichst einheitliche Lösung bei der Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfungen ausgesprochen und damit dieses Postulat fast identisch übernommen hat. In meinem Blogeintrag vom 15. Juni 2012 nahm ich das ebenfalls zu Kenntnis. Nur leider hat der Kantonsrat dieses Anliegen kürzlich bachab geschickt, so dass diese Verweise in der Postulatsantwort bereits wieder Makulatur sind und die Stadt auf sich selbst angewiesen ist. Ebenso sind die angekündigten 130.000 Franken dem Sparplan zum Opfer gefallen. Das heisst, es geschieht nichts.

Immerhin wird das Anliegen der Postulanten im Grundsatz weitgehend geteilt, sowohl vom zuständigen Stadtrat, wie auch von der Zentralschulpflege. Es ist wichtig, hier am Ball zu bleiben und wie ursprünglich im Postulat gefordert nach einer kostenneutralen Lösung zu suchen. Es gibt Schulen in Winterthur, wo die Gymnasiumsaufnahmeprüfungsvorbereitungen gut laufen und andere, wo es noch Verbesserungspotential gibt. Der Stadtrat soll gemeinsam mit der Zentralschulpflege untersuchen, wo es gut läuft, wo nachgebessert werden muss, was warum gut läuft und was man wie verbessern könnte. Der Informationsaustausch soll diesbezüglich zwischen den Schulkreisen verbessert werden, die einen sollen von den anderen lernen. So soll der Stadtrat mit Schulpflegen und Schulleitern nach kostenneutralen Lösungen suchen, um zu erreichen, dass diejenigen Kinder, bei denen die intellektuellen Fähigkeiten vorhanden sind, unabhängig von der Finanzkraft ihres Elternhauses gut auf die Prüfungen vorbereitet sind. Das soll keiner Akademisierung Vorschub leisten, sondern helfen, die Chancengleichheit in unserer Stadt ein wenig zu verbessern. Es braucht keine langen Erklärungen, sondern einfache aber wirksame Massnahmen zur Vereinheitlichung der Qualität.

Da der Stadtrat und der Präsident der BSKK versprochen haben, das Thema auf die Traktandenliste der Kommission zu setzen und gemeinsam mit der Zentralschulpflege weiter zu verfolgen, verzichten wir auf einen Nachbericht und nutzen diese Gelegenheit, um hier gezielt Verbesserungen im ursprünglichen Sinn des Postulats zu erreichen.

Post By Marc Wäckerlin (139 Posts)

Gemeinderat der Piratenpartei in Winterthur seit 2010
Vorstand Piratenpartei Winterthur
Vorstand Piratenpartei Zürich
Präsident FreidenkerInnen Region Winterthur

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